Qualitätswerkstätten des Netzwerks Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg
Gute Arbeit entsteht nicht nur am eigenen Schreibtisch. Manchmal braucht es den Blick von außen, den Austausch mit Kolleg*innen und die Frage: Wie machen es eigentlich andere Fachleute? Genau dafür gibt es die Qualitätswerkstätten (QW) des Netzwerks Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg GbR. Hier treffen sich Fachkräfte und Projektbeteiligte aus unterschiedlichen Organisationen, tauschen Erfahrungen aus und nehmen neue Ideen für ihren Arbeitsalltag mit.
Alle Kooperationspartner und Vereine, die Projekte des Netzwerks Straffälligenhilfe ausüben, sind zu den Qualitätswerkstätten eingeladen. Auch wir von Fortis e. V. sind dabei. Mitarbeitende der Straffälligenhilfe nehmen regelmäßig an den Qualitätswerkstätten für Projekte wie das Eltern-Kind-Projekt (EKP), das Nachsorgeprojekt Chance (NSPC) oder die Wiedereingliederung älterer Gefangener (WeäG) und weiteren Qualitätswerkstätten teil.
Solche Treffen finden bis zu dreimal im Jahr an unterschiedlichen Standorten in Baden-Württemberg oder digital statt. Natürlich geht es zunächst um die Projekte selbst. Wir bringen aktuelle Zahlen, Entwicklungen und Erfahrungen mit und schauen gemeinsam darauf, was sich verändert hat. Dazu gehören beispielsweise die Fallzahlen und ihre Entwicklung im Vergleich zu den Vorjahren. Das klingt erst einmal recht sachlich. Spannend wird es aber, wenn wir darüber sprechen, was hinter diesen Zahlen steckt und was uns gerade in der Praxis beschäftigt.
Denn danach geht es schnell um die Fragen, die wir aus unserem Arbeitsalltag mitbringen. Was funktioniert gut? Wo kommen wir gerade nicht weiter? Wie gehen andere mit einer ähnlichen Situation um? Gemeinsam suchen wir nach Lösungen für Situationen, die uns in der Praxis begegnen.
Teil der QWs sind auch Fachvorträge und Impulsreferate. Im Projekt Wiedereingliederung älterer Gefangener kann es beispielsweise um die Krankenversicherung nach der Haftentlassung gehen. Auch komplexe Fallbeispiele können wir in die Treffen mitbringen. Gerade dieser Austausch ist für uns besonders wertvoll. Denn manchmal hat jemand aus einer anderen Organisation einen völlig anderen Blick auf einen Fall. Plötzlich entsteht so eine neue Idee.
In den Gruppenarbeiten wird es noch konkreter. Im Eltern-Kind-Projekt (EKP) beschäftigen wir uns beispielsweise damit, wie wir die Zusammenarbeit mit Jugendämtern und Justizvollzugsanstalten weiter verbessern können. Uns geht’s dabei nicht darum, möglichst viele Punkte einer Liste abzuarbeiten, vielmehr nutzen wir die Chance, gemeinsam Ideen zu entwickeln, die wir tatsächlich in unseren Arbeitsalltag integrieren können.
Genau das macht die Qualitätswerkstätten für uns so wertvoll: Wir treffen Kolleg*innen, die vor ähnlichen Fragen stehen, können offen über Erfahrungen sprechen und müssen nicht für jedes Problem selbst eine Lösung finden. Und manchmal nehmen wir nicht nur eine neue Idee mit nach Hause, sondern auch die beruhigende Erkenntnis: Mit dieser Herausforderung sind wir nicht allein.
Für unsere Arbeit in der Straffälligenhilfe ist dieser Austausch wichtig. Er hilft uns, dranzubleiben, neue Perspektiven kennenzulernen und unsere Arbeit immer wieder mit anderen Augen zu betrachten.