7. Oktober 2026 Ursi Zambrino im Gespräch mit Jacqueline

Fachstelle Wohnraumsicherung: einen neuen Bereich mitgestalten

Die Fachstelle Wohnraumsicherung hilft Menschen dabei, ihre Wohnung zu behalten. Dabei geht es nicht nur darum, Mietschulden zu klären. Oft zeigt sich im Gespräch, dass hinter den Schulden weitere Themen stehen, die ebenfalls Unterstützung brauchen. Die Mitarbeiterin der Fachstelle erzählt, wie sie den neuen Bereich aufgebaut hat, warum ein guter Überblick über die Hilfen im Landkreis wichtig ist und wie sie sich als junge Mitarbeiterin das Vertrauen von unterschiedlichen Menschen erarbeitet hat.

Was machst du in der Fachstelle Wohnraumsicherung?

Ich sehe mich als Ansprechperson und gleichzeitig Vermittlerin zwischen Mieter*innen und Vermieter*innen. Beide Parteien können sich an die Fachstelle wenden, wenn es Probleme rund um das Mietverhältnis geht. Die Mieter*innen sind daran interessiert, möglichst in ihrer Wohnung bleiben zu können. Die Vermieter*innen wiederum möchten nicht zwingend gleich rechtliche Schritte einleiten.

 

Was beinhaltet denn eine solche Beratung für Mieter*innen?

Wichtig ist im ersten Schritt, die finanzielle Situation der Klient*innen zu klären. Gibt es beispielsweise die Möglichkeit, ein Darlehen vom Amt zu bekommen, um Mietschulden zu bezahlen? Haben die Menschen langfristig genug Geld, um ihre Miete zu sichern? Manchmal wurden mögliche Hilfen noch gar nicht ausgeschöpft. Dann kann es beispielsweise sinnvoll sein, aufstockende Leistungen beim Jobcenter zu beantragen oder beim Landratsamt eine Übernahme der Mietschulden zu beantragen.

 

Was bringst du für diese Arbeit mit?

Das Fachliche ist die eine Seite. Ein Studium der Sozialen Arbeit ist deshalb eine wichtige Grundlage. Zudem muss ich mich im Sozialsystem auskennen. Und auch Kenntnisse aus dem rechtlichen Bereich sind hilfreich. Aber genauso wichtig ist die Bereitschaft, mich auf unterschiedliche Menschen einlassen zu können. Ich weiß ja im Vorfeld nicht, welcher Mensch mit welchem Anliegen zur Beratung kommt. Deshalb muss ich offen sein und mich auf die jeweilige Situation einlassen können.

 

Was war für dich am Anfang neu?

Ich musste erst einmal lernen, wer im Landkreis Böblingen für was zuständig ist und wie die Strukturen und Ämter funktionieren. Ich komme aus Böblingen, hatte vorher aber im Landkreis Esslingen gearbeitet. Bevor die Fachstelle im Dezember 2024 gestartet ist, hatte ich einige Monate Zeit, mich in die neue Thematik einzuarbeiten, mich mit anderen Fachstellen auszutauschen und das Profil der Fachstelle mitzugestalten. Das war eine sehr besondere Situation, für die ich sehr dankbar bin.

 

Wie war es, als junge Mitarbeiterin einen neuen Fachbereich aufzubauen?

Da kam mir mein Interesse, etwas Neues zu gestalten, sehr entgegen. Für mich war und ist es ein Privileg, diese Arbeit so gestalten zu dürfen. Es ist ein stetiger Prozess, und ich kann meinen eigenen Stempel daraufsetzen. Wobei das ich jetzt nicht mehr ganz stimmt, denn seit 2026 sind wir in der Fachstelle zwei Kolleginnen. Diese Zusammenarbeit ist sehr bereichernd.

 

Bekommst du als junge Mitarbeiterin das Vertrauen der Menschen, mit denen du zu tun hast?

Von meinen Kolleg*innen und vonseiten des Landratsamts bekomme ich volles Vertrauen. Auch von den Sachbearbeiter*innen höre ich immer wieder, wie gut es ist, dass sie uns als Ansprechpersonen haben. Das erlebe ich auch bei externen Einrichtungen wie dem Jobcenter oder der Diakonie.

Auch die Klient*innen bringen mir viel Vertrauen entgegen. Für viele ist die Situation ein harter Schicksalsschlag und sehr emotional. Die Fachstelle ist oft die erste Anlaufstelle, bei der sie alles erzählen können.

Bei Vermieter*innen gibt es dagegen teilweise noch Skepsis. Ich wünsche mir deshalb, dass sie die Fachstelle besser kennenlernen. Wir überlegen beispielsweise, wo wir noch stärker Öffentlichkeitsarbeit machen können.

 

Wie wichtig ist Weiterbildung für dich?

Ich merke, dass Weiterbildungen im Bereich Wohnraumsicherung wichtig sind. Gerade im Mietrecht muss ich mich gut auskennen.

Artikel empfehlen